Rootwalkers sind langsame Wächterwesen aus verschlungenen Wurzeln, Menhiren, alten Knochen, Torf und lebendem Moos. Keine zwei gleichen einander, und die meisten, die je einem begegnet sind, haben es erst hinterher begriffen.
Gestalt
Ein Rootwalker ist ein gewaltiger, gebeugter Hügel von der Größe eines Hügelgrabs, der auf dicken Beinen aus verdrehten Wurzeln geht und bei jedem Schritt Erde und Steine mit sich reißt. Aus seinem Rücken ragen hohe, flechtengraue Menhire, als trage er den Steinkreis eines alten Grabfelds auf den Schultern. Farne, Moos und junge Bäume wachsen auf ihm, und lange Wurzeln hängen ihm wie ein Bart vom Leib. Bleiche Knochen schimmern durch das Gewirr, Rippen und Kiefer zwischen den Wurzeln, und ausgeblichene Geweihe krönen sein Haupt. Tief im Wurzelwerk seines Gesichts glühen zwei kleine, bernsteinfarbene Augen.
Man trifft ihn meist in den nebligen Hochtälern der Grünfalte und an den alten Grenzen der Eilvaren, zwischen uralten Eichen, bemoosten Findlingen und verstreuten Steinen, wo kaum zu sagen ist, welcher Stein zu einem Rootwalker gehört und welcher nur ein Stein ist. Der älteste bekannte Rootwalker soll am See Rootmere ruhen.
Verhalten
Ein schlafender Rootwalker kann jahrzehntelang als Hügel, Schrein oder umgestürzter Baum gelten. Er erwacht erst, wenn der Ort, den er hütet, bedroht wird. Feuer kann ihn verletzen, doch am sichersten zerstört man ihn, indem man den Eid oder das Wahrzeichen bricht, an das er gebunden ist.
Was man in der Grünfalte erzählt
Manche Rootwalkers wurden von Eilvaren oder Hearthkin über viele Generationen bewusst herangezogen. Andere sind einfach eines Tages da. In den Haushalten der Grünfalte sagt man, ein Rootwalker sei ein Ort, der gelernt hat aufzustehen: Wo Familien lange genug ihre Toten begraben, dieselbe Hecke gepflanzt und am selben Stein dieselben Versprechen geschworen haben, sammelt sich der Ort langsam, bis er eines Tages geht. Ältere Rootwalkers tragen in sich, was sie bewachen, die Knochen der begrabenen Familien, die Steine ihrer Eidkreise, die Wurzeln ihrer Bäume.
Darum sagt man einem Kind, das sich in den Hügeln verirrt hat, es solle sich an den nächsten Menhir setzen und warten, falls es ein Rootwalker ist, der seine Familie kennt. Und darum sind manche Rootwalkers wieder still geworden und zu Hügeln zerfallen, als die letzte Familie fortzog, die sich an ihr Versprechen erinnerte.
Die kleinen Zweiggeister, die man Rindlinge nennt, heißen manchmal die Kinder der Rootwalkers. Die ruhelosen Draugr des Nordens gelten als ihr dunkles Spiegelbild: Tote, die keine Ruhe finden, weil ein Eid gebrochen wurde, während ein Rootwalker auf einem gehaltenen ruht.